Erinnerungen an Brecht

Max Frisch

Erinnerungen an Brecht

Mit einem Nachwort von Klaus Völker
32 S. / 16,0 x 24,0 cm
ISBN 978-3-932109-62-1
2009
vergriffen
12,00 €

Brecht war 1947 aus dem amerikanischen Exil zurückgekehrt und lebte zunächst in der Schweiz, mit längeren Abstechern nach Ostberlin – wohl nicht nur, aber auch, weil er bis 1950 keine Einreiseerlaubnis für Westdeutschland erhielt. Der dreizehn Jahre jüngere Frisch, der damals gerade seine ersten eigenen dramatischen Versuche machte, lernte ihn durch gemeinsame Freunde in Zürich kennen. Er besuchte Brecht in seiner Züricher Wohnung – von Freunden kostenlos zur Verfügung gestellt, denn er war völlig mittellos, schaute ihm bei seiner Theaterarbeit zu, wobei er auch die Anfänge der Zusammenarbeit von Brecht und Therese Giehse miterlebte. Frisch zeigte ihm die Baustelle des Zürcher Letzigraben-Freibads, das er entworfen hatte, die handwerkliche Seite des Architektenberufs flößte Brecht großen Respekt ein, und war dabei, als Brecht am Bodensee zum ersten Mal wieder deutschen Boden betrat (es war ein Fiasko). Der Kontakt blieb bestehen, auch nachdem Brecht 1949 endgültig in Ostberlin lebte, Frisch besuchte ihn noch kurz vor dem Tod im Sommer 1956 zum letzten Mal.
Frisch war kein „Jünger" Brechts, dennoch, vielleicht auch gerade deshalb, herrschte eine Zuneigung zwischen beiden, die in Frischs Erinnerungen sehr deutlich wird: distanziert und voller Respekt. Wie er Brecht als Frager, genauen Zuhörer, großen Beobachter beschreibt, der nicht gern von sich selbst redet, tritt auch Frisch ganz hinter seine Beobachtungen zurück, ohne zu interpretieren, wodurch sie an Schärfe und Prägnanz nur gewinnen. Er hat lange nach Brechts Tod sogar von ihm geträumt und endet mit der Tagebuchnotiz von 1965:
Es gibt einen Satz, der Brecht gerecht wird, obschon er nicht auf ihn geschrieben worden ist: „Trotz der Einseitigkeit seiner Lehre ist dieser märchenhafte Mensch unendlich vielseitig", ein Satz von Maxim Gorki über Leo Tolstoi.
Frisch schrieb die Erinnerungen an Brecht 1966 für Hans Magnus Enzensbergers Kursbuch, die dann 1968 als erste Einzelausgabe in einer kleinen, aber viel beachteten Auflage in der FRIEDENAUER PRESSE erschienen, ergänzt um das erwähnte Traum-Notat aus dem Tagebuch 1965.
Im Herbst 2009 erscheint eine Neuausgabe mit einem Nachwort von Klaus Völker, das sich unter anderem mit Brechts Einfluß auf Max Frischs Theaterarbeit beschäftigen wird und an den Satz anknüpft, mit dem Frisch seine Erinnerungen resümiert: „Wir haben ihn nicht gekannt."

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