El Ombú

William Henry Hudson

El Ombú

Südamerikanische Erzählungen
Aus dem Englischen übersetzt und mit Materialien und Notizen herausgegeben von Rainer G. Schmidt. Umschlag-Entwurf von Horst Hussel
152 S. / 12,0 x 18,0 cm
Fadengeheftete französische Broschur.
ISBN 978-3-932109-53-9
2007
vergriffen
16,00 €

William Henry Hudson wurde 1841 in Quilmes, nahe Buenos Aires, in einem bescheidenen Farmerhaus geboren, das nach den 25 Ombü­Bäumen benannt war, die den Weg zu ihm säumten. Als Junge begann er bereits im Alter von sechs Jahren mit den Gauchos in die Pampa zu reiten; da er als Heranwachsender kränkelte, verlegte er sich auf das geduldige Beobachten der Natur, insbesondere der Vogelwelt. In kritischer Distanz zu Darwin entwickelte er sich zu einem poetisch inspirierten Naturforscher, der wichtige Beiträge zur Ornithologie Südamerikas liefern sollte (zuerst in Form von Vogelbälgen, die er an zoologische Institute sandte, dann mit der Schrift Argentine Ornithology). Nach dem Tod seiner Eltern, nordamerikanischer Einwanderer, verließ Hudson Argentinien auf immer, ließ sich 1874 in London nieder und nahm unter kärglichen Bedingungen ein zunächst erfolgloses Schriftstellerleben auf. 1885 erschien sein erstes Buch, ein Roman, unter dem Titel The Purple Land that England Lost, der später durch Jorge Luis Borges große Anerkennung fand. Hudson imaginierte sich in seinem Schreiben die mutwillig aufgegebene Land­schaft Südamerikas zurück, vor allem in Werken wie Idle Days in Patagonia (1893) und Far Away und Long Ago (1918). Den Durchbruch erzielte er mit dem 1904 veröffentlichten Roman Green Mansions. Ein Jahr nach seinem Tod, 1923, erschien eine 24bändige Gesamtausgabe seiner Werke. Für die Erzählung El Ombü hatte Hudson alte Auf­zeichnungen aus seiner Zeit in Argentinien heran­gezogen. Bei seinem Erscheinen 1902 kaum be­achtet, wurde der Text später u.a. von Joseph Conrad und Ford Madox Ford als Meisterwerk der Erzählkunst eingestuft (in deutscher Fassung 1956 in der Anthologie Unter dem Kreuz des Südens).Es ist die einem naiven Sprecher in den Mund gelegte Geschichte eines gewaltigen Baumes, dessen giftiges Odium die Geschicke der in seinem Schatten lebenden Menschen unheilvoll lenkt. Eine Saga voll Determinismus und Unheimlichkeit, in Form von Erinnerungsbruchstücken erzählt: "Die Erinnerungen an diese Zeit sind spärlich und zerstreut, wie die Bruchstücke von Ziegeln und Steinen und rostigem Eisen, die man halb vergraben dort unter dem Unkraut finden kann, wo das Haus einst stand. Bruchstücke, die einst ein Teil des Gebäudes waren. Gewisse Ereignisse, Gesichter und Stimmen ..." Die weiteren hier vorgelegten Erzählungen erscheinen zum erstenmal auf Deutsch. Pelino Vieras Geständnis und Marta Riquelme nehmen ein Thema wieder auf, das schon in Green Mansions kurz angedeutet ist: die Verwandlung von Frauen in Vögel. Hudsons Vogelvernarrtheit erhält hier eine zugleich tragische und erotische Komponente.

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